Erschienen in Band 161 - Ganztagsbildung: Modelle, Qualität, Chancen
Veröffentlicht mit Genehmigung des Grundschulverbands e.V.
Naturpädagogische Erfahrungsraume als Antwort auf räumliche Engpässe, pädagogische Herausforderungen und kindliche Bedürfnisse.
Der Naturhort an der Maximilian-Kolbe-Schule in Rottweil-Hausen zeigt, wie aus räumlicher Enge, steigendem Betreuungsbedarf und alltäglichen Herausforderungen ein innovativer Bildungs- und Erfahrungsraum entsteht. Eine solche Entwicklung lässt sich nicht nur unter optimalen räumlichen Bedingungen verwirklichen - entscheidend ist ein konsequenter Perspektivwechsel im Team: weg vom Blick auf Begrenzungen, hin zu pädagogischen Möglichkeiten. Auch mit einfachen Mitteln, begrenzten Ressourcen und zunächst provisorischen Lösungen gelingt es, neue Wege zu gehen. Der Naturhort ist kein Produkt perfekter Voraussetzungen, sondern Ausdruck einer gemeinsamen Haltung und eines gelebten Entwicklungsprozesses. Das Gelände ist dabei eine wichtige Ressource - genauso wie das Team, das diesen Raum mit Leben füllt.
Von der Betreuung im Haus zum Naturhort
Lange Zeit konzentrierten sich alle Überlegungen zur Gestaltung ganztägiger Betreuung auf Innenräume. Doch diese stießen an ihre Grenzen: Kinder verbrachten den gesamten Tag in ähnlich gestalteten Räumen. Nach dem Unterricht folgten Essen, kurze Spielphasen im Hortzimmer oder auf dem Hof, Hausaufgaben in Klassenzimmern und danach erneut gruppenpädagogische Angebote in den Horträumen. Die Kinder blieben in ähnlichen sozialen und räumlichen Konstellationen gefangen, die kaum Entspannung zuließen.
Erzieherinnen und Kinder bewegten sich im Dauermodus zwischen Lärm und Reizüberflutung. Die Nachmittage waren eher eine Belastung - für Kinder wie für das Team. Das Potenzial des naturnahen Geländes blieb lange unbeachtet. Erst engagierte Mitarbeitende des Ganztagsbereichs begannen, den alten Schulgarten in ein Naturgelände zu verwandeln. In Zusammenarbeit mit der Technik Fachschaft entstand im Technikunterricht mit Schüler*innen ein Unterstand, eine Feuerstelle wurde eingerichtet und Beete wurden reaktiviert. AGs wie ,,Outdoor" und die Fußball-AG zogen nach draußen. Bald folgte die Kooperation mit dem benachbarten Biohof - das Hühnermobil auf der Streuobstwiese wurde mit den Kindern betrieben.
Die Grundschulbetreuung blieb zunächst unberührt davon. Doch mit wachsendem Betreuungsbedarf und immer weniger Raum entstand eine Idee: Könnte hier ein „Naturhort" entstehen? Ein pädagogisch begleiteter Erfahrungsraum draußen, als echte Alternative zum bisherigen Konzept?